Das Badezimmer

Welchen Raum besuchen Sie gleich nach dem Aufstehen? Ganz sicher das Badezimmer – um sich die Zähne zu putzen, sich schnell zu duschen, um sich zu rasieren oder zu schminken – das Morgenritual findet meist hier statt. Im Badezimmer steht der Spiegel der Wahrheit, hier werden die magischen Werkzeuge der Hygiene und Schönheit aufbewahrt, hier sprudelt die heiße Quelle des reinigenden und aufmunternden Wassers. Der allmorgendliche Jungbrunnen, der die laue Nacht und Mundgeruch im Nu besiegt und uns für die Heldentaten des Tages ausrüstet.

Und Abends, nach dem man durch die kalten Räume eines Büros oder einer Schule, durch die Straßen und U-Bahnen gewandert ist, nach dem man das Gefühl hat, die halbe Welt umkreist zu haben, kommt man wieder erschöpft nach Hause. Man lässt sich ein Schaumbad ein, das Blubbern des Wassers redet leise auf die müde Seele ein, erzählt die Geschichte des ruhigen Ozeans. Das Bad umarmt und tröstet, der lange Tag löst sich bereitwillig in den Dampf auf und der Kummer fließt den Abfluss herunter. Und morgen früh werden Sie wieder mit neuer Energie aufgeladen und ordentlich und aufgeräumt aus dem Haus gelassen.

Das Badezimmer ist nie nur ein Raum für die Tägliche Hygiene gewesen. Die Badezimmer waren schon bei den alten Griechen, Römern, Indern, Arabern, Japanern, u.a. – ein Teil der Kultur. Ob eine geräumige öffentliche Therme, oder der Waschraum in einer Moschee, das Bad der buddhistischen Mönche, oder die Lieblingsbäder der Samurai (Bademädchen inklusive). Es waren die Stätte der Erholung, der seelischen und körperlichen Reinigung, ein Ort wo man den täglichen Kampf vergessen kann. Das berühmteste Privatbad der Geschichte ist sicher das von der Ägyptischen Königin Kleopatra – der Raum der Hoffnung auf die ewige Jugend durchs Baden in Eselsmilch.

Wie soll das Badezimmer heute aussehen? Schön, groß, mit einem Fenster, mit einer Badewanne – liest man in den Wohnungsanzeigen. Es gibt eine unerschöpfliche Fülle an Badeartikel, Farben der Fliesen, Beleuchtungsmöglichkeiten, man kann sogar durchs LED das Wasser „einfärben“. Das wichtigste aber ist und bleibt – das Badezimmer soll unsere Seele und unseren Körper gleichermaßen auffangen und verwöhnen.